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Zürich stärkt die Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers

Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch, 7. Januar, über das Projekt «Medizinische Versorgung für nicht krankenversicherte Menschen in der Stadt Zürich» entschieden. Wir begrüssen den Entscheid des Gemeinderats sehr, das Projekt zu verstetigen und in den städtischen Leistungskatalog zu überführen.

Worum geht es?
Ziel des Projekts ist es, eine medizinische Grundversorgung für nicht krankenversicherte Menschen mit Lebensmittelpunkt in der Stadt Zürich sicherzustellen. Dazu gehören einerseits der Zugang zu medizinischen Behandlungen und andererseits die Abklärung der Möglichkeiten für den Abschluss einer Krankenversicherung.
Das Pilotprojekt startete 2021 mit einer Evaluation und Bestandesaufnahme und befindet sich seit 2023 in der konkreten Umsetzung.

Was bedeutet das Projekt für Sans-Papiers?
Von den rund 14’000 betroffenen Menschen in der Stadt Zürich geht man von etwa 10’000 Sans-Papiers aus. Das Projekt stellt einen wichtigen Meilenstein in der Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers dar und bedeutet zugleich eine grosse Entlastung für Dienstleister:innen im Gesundheitsbereich, etwa für die medizinische Anlaufstelle für Sans-Papiers, Meditrina.

Neu können Sans-Papiers beispielsweise auch ohne Krankenversicherung dringend notwendige medizinische Eingriffe erhalten. Bisher konnten sich viele Sans-Papiers kaum leisten, krank zu sein: Erkrankungen blieben oft so lange unbehandelt, bis es zu Chronifizierungen oder schweren Komplikationen kam. Auch schwere Verletzungen durch Unfälle, die beispielsweise operative Eingriffe erforderten, brachten Betroffene in eine kaum lösbare finanzielle Bedrängnis.

Tagtäglich sehen wir bei der SPAZ unter welchen prekären Bedingungen Sans-Papier in dieser Stadt arbeiten. Dies hat enorme Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Dank diesem städtischen Projekt können Sans-Papiers angstfreier und unkomplizierter medizinische Behandlung in Notsituationen erhalten.

«Auch für uns bedeutet das Projekt eine grosse Entlastung. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist eines unserer zentralen Anliegen, und wir arbeiten seit Jahren eng mit Meditrina und weiteren Dienstleister:innen zusammen. Dank des Projekts gibt es nun klare Ansprechpersonen, das Personal in den Stadtspitälern ist besser sensibilisiert, und Sans-Papiers erhalten medizinische Versorgung mit deutlich weniger Hürden.» Laura Marioli, Sozialberaterin bei der SPAZ

Die SPAZ nimmt in diesem Projekt eine zentrale Rolle als Vermittlerin ein. Wir sind oft die erste Anlaufstelle für Sans-Papiers und fungieren als Dreh- und Angelpunkt: Wir klären ab, wo Unterstützung möglich ist, und triagieren weiter. Zudem begleiten wir Sans-Papiers beim Abschluss einer Krankenversicherung – was trotz Versicherungspflicht in der Schweiz ohne unsere Unterstützung meist nicht möglich ist.